Fa. Züchner

 

Mit dem Namen unserer Stadt verbindet sich die Herstellung der ersten Konservendose Deutschlands. Zwar wurde die Idee der Haltbarmachung von Lebensmitteln in luftdicht verschlossenen Behältern zuerst in Frankreich und England umgesetzt, kam von dort aber um das Jahr 1830 in die Harzstadt und damit nach Deutschland. Damals kam der Kirchberger Baron von Campen mit einem solchen Behältnis zurück von einer Frankreichreise und bestellte nach diesem Vorbild beim Seesener Klempnermeister Heinrich Züchner weitere Dosen für seinen Gutshaushalt. Davon ausgehend hielt die Konservendose Einzug in Deutschland. Für Seesen war dies der Startpunkt einer Wandlung von einer landwirtschaftlich und vom Handel geprägten Ackerbürgerstadt zum modernen Industriestandort seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Entwicklung ist besonders mit zwei heimischen Familien verbunden: den Züchners und der Familie Sieburg & Pförtner. Beide begannen zunächst noch in gemeinsamer Unternehmung in den 1880er Jahren als „konservieren de Klempner“ mit der Produktion von Blech dosen und dem Kon servieren von Lebens mitteln. Später folgte die be triebliche Trennung in „Dosenhersteller“ Züchner, der zum Pionier der Blech waren- und Verpackungsindustrie aufstieg, und „Dosenbefüller“ Sieburg & Pförtner, die unter der Marke „Sonne“ (später „Sonnen Bassermann“) erfolgreicher Akteur in der Ernährungsindustrie wurden. Mehr zu den Ursprüngen und zur Geschichte der Konservenin dustrie in Seesen zeigt und erzählt eine Ausstellung im benach barten Städtischen Museum. Das Konservieren in den gelöteten Dosen blieb ein umständliches und deshalb teures Verfahren. Das änderte sich um 1890 mit der Einführung der Falzdose. Jetzt werden Boden und Deckel nicht mehr angelötet, sonder mit einer Dosenverschlussmaschine fest an den Dosenrumpf angefalzt. Solch eine Maschine ersetzte zehn Arbeiter und den Lötkolben.

 Zu den täglichen Arbeiten des Klempners gehört die Herstellung von Rohren. Mit Boden und Deckel versehen entsteht eine Dose. Dazu wurde der Rumpf aus einem Stück Blech ausgeschnitten, auf dem Knie gerundet und mit Holzhammer auf dem Sperrhaken bearbeitet, abgekantet und schließlich gelötet. Danach wurde der Dosenboden angelötet, „welches einen geschickten und zuverlässigen Blecharbetier erfordert. Die kleinste und unbedeutendste Öffnung von der Größe einer Nadelspitze bewirkt das Verderben des Inhalts...“. Das Gleiche geschah dann noch einmal mit dem Deckel. Bei den vielen Handgriffen und der nötigen Sorgfalkt stellte ein Arbetier nur 12 Dosen am Tag her. Die Verpacking war also teurer als der Inhalt und Dosen damals nur etwas für das Militär oder reiche Leute. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Dosendeckel auf dem Schwarzmarkt zum begehrten Tauschobjekt. Mit Blick auf die Leitwährung jener Zeit bekamen die Deckel ihren Spitznamen „Seesener Dollar“ .