Siegfried Nussbaum
Siegfried Nussbaum (geb. 1896, gest. 1938) ist das fünfte Kind von Salomon und Rosa Nussbaum (geb. Scheideberg 1856, gest. 1902). Ab 1907 ist er Schüler der Jacobsonschule, die er im Herbst 1913 mit dem Zeugnis der Reife abschließt. Siegfried Nussbaum übernimmt das väterliche Geschäft und heiratet im gleichen Jahr Elisabeth Hotter (geb. Hotter 1900). Aus dieser ehe gehen drei Kinder hervor: Rosemarie (geb. 1929), Horst (geb. 1930) und Brigitte (geb.1932). Im Jahr 1932 verkauft er das Geschäft und zieht in die Kurparkstraße 13. Ab Januar 1933 schon macht sich der Antisemitismus im neuen NS-Staat deutlich bemerkbar: Die Vermieter in der Kurparkstraße wollen plätzlich keiner jüdischen Familie mehr eine Wohnung überlassen. Die Familie muss erneut umziehen in die Jägerstraße 5.
Siegfried Nussbaum ist bis zu seinem Tod der Verwalter der Synagoge, dem Jacobstempel. 1935 ertsellt ein Verzeichnis der Gräber auf dem jüdischen Friedhof an der Dehnestraße. Vier Wochen vor der Reichspogrommnacht am 9./10. November 1938 hat das für Seesen zuständige Baumat Bad Gandersheim eine Abrissverfügung für den Jacobstempel, die Synagoge der ehemaligen Jacobsonschule erlassen. Das Gebäude ist längst nur noch architektonische Hülle. Orgel und Inneneinrichtung sind abgebaut. Trotzdem legen SS-Männer aus Gandersheim in der Nacht gegen 2 Uhr an sechs Stellen Feuer im Tempel. Die Feuerwehr beschränkt sich darauf, die angrenzenden Gebäude der Oberrealschule zu sichern. Siegfried Nussbaum wird an den Brandort gebracht und bezichtigt, das Synagogengebäude angezündet zu haben. Auf dem Weg zum Polizeirevier wird Siegfried Nussbaum von zwei SS-Leuten begleitet. Bei einem von ihnen inszenierten Fluchtversuch wird der Schutzhäftling in den Rücken geschossen. Siegfried Nussbaum erliegt vier Tage später an seinen Schwerverletzungen. Sein Bruder Henry Nussbaum ist der Einzige der vier Geschwister, der auch die Shoa überlebte. Henry Nussbaum ist im Nachkriegsdeutschland Vostandsmitglied der Jüdischen Gemeinde und Initiator der Denkmal Aufstellung im Jahre 1946.