Geschäftshaus Bloch & Bremer

In der Poststraße stand das Geschäftshaus der traditionsreichen Kaufmannsfamilie Bloch und Bremer. Meier Anschel Bremer (geb. 1814, gest.1875) erwarb bereits 1864 ein Haus in Seesen, das 1896 abbrannte. Nach Ankauf einiger kleiner Parzellen wurde das Geschäftshaus mit Schmuckfassade in der Poststraße 4 erbaut und das Warenhaus mit Textil- und Modewaren "Bloch und Bremer" 1898 neu eingerichtet. Die beiden Partner Joseph Bloch und Max Bremer (geb.1875, gest. 1933) sind nicht nur Kompagnons sondern sind auch familär durch die Heirat von Ida Bremer (geb.1872, gest. 1944) und Josep Bloch (gest. 1935) verbunden. 

Max Bremer, zuvor Soldat im 1. Weltkrieg, wurde Anfang März 1933 bei Hausdurchsuchungen von SPD und Reichsbannernmitgliedern in Schutzhaft genommen wo er verstarb. Im Synagogenbuch der Seesener jüdischen Gemeinde heißt es zum Tode Max Bremers "unter nicht geklärten Umständen". Es ist davon auszugehen, dass Bremer in Haft an den Folgen der Folter zum Tode gekommen ist. Das Geschäfts- und Wohnhaus wurden in der Reichspogromnacht 9./10.11.1938 durch Brandstiftung verbrannt. Ida Bloch wird 1942 von Wuppertal aus nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 10.04.1944 ermordert wird. Auf dem jüdischen Friedhof in Seesen wird auf dem Grabstein ihres 1935 gestorbenen Mannes Josef in einer Gedenkinschrift an ihre Ermodung erinnert. 

In der Postraße erinnern 5 Stolpersteine an die Familienmitglieder der Firma "Bloch&Bremer".


Quelle: "Gegen das Vergessen - Stolpersteine, Memorbuch und Spurensuche", Hrsg. Seesen 2022 (2. erw. Auflage), Stefan Bungert, Thomas Droste, Joachim Frassl, Dirk Stroschein