Jacobsonschule

Mitten in der Stadt steht heute auf dem Jacosbonplatz die Skulptur des Bildhauers Gerd Ruwe "Balgende Jungen." Die Skulptur erinnert an eine Schule, die jüdische Welt verändern sollte. 

Israel Jacobson (geb. 1768, gest. 1828) war herzoglicher Kammeragent im Herzogtum Braunschweig und Landrabbiner. Im Jahr 1801 stiftete Jacobson in Seesen eine jüdische Freischule. Die Jacobsonschule entwickelte sich zu einer modernen Ausbildungsstätte. Schon im zweiten Jahr wurden auch nichtjüdische Schüler aufgenommen. 1922 wurde die Schule verstaatlicht. 

Zwingende Renovierungsarbeiten und die Diskussion um einen Neubau des späteren Gymnasiums führten schließlich zu einer Umverlagerung der Schule an den heutigen Standort im Schulzentrum an der St. Annen-Straße in Seesen.

Nach dem 1975 erfolgten Abbruch des alten Schulkomplexes und Umzug blieb von der Jacobsonschule nur das 1889 erbaute Alumnat (Wohnheim) erhalten. Seit einer umfangreichen Baumaßnahme und Sanierung mit Fertigstellung im Jahr 2024 wird das so benannte Jacobson-Haus heute als soziokulturelles Zentrum öffentlich genutzt.

Bild vergrößern: Jacobson-Haus heute Bild: © Stadt Seesen
Jacobson-Haus heute

Eine Dauerausstellung im Städtischen Museum in Seesen zeigt heute die Entwicklung des Schulkomplexes

im Verlauf der Jahr. Zudem ist hier das Original Prunkfenster aus dem Jahr 1884/1885 zu sehen.

Bild vergrößern: Prunkfenster ehemaliges Direktorenhaus Jacobsonschule Bild: © Städtisches Museum Seesen
Prunkfenster ehemaliges Direktorenhaus Jacobsonschule

Am Eingang zum Jacobson-Haus erinnert eine Stolperschwelle an die mehr als 260 ehemaligen jüdischen Schüler und Schülerinnen, die Opfer der Shoa wurden. An das persönliche Schicksal erinnert ein

mit den Namen der ermordeten Schülerinnen und Schüler. Das Totenbuch und die Stolperschwelle entstand aus der "Stolperstein-Initiative Seesen" im Jahr 2009 durch intensives Engagement von Rolf Ballof (geb. 1938, gest. 2016), ehemaliger Schulleiter und in Zusammenarbeit mit Thomas Gleicher, ehemaliger Propst der Propstei Gandersheim Seesen und Joachim Frasslebenfalls ehemaliger Lehrer und Archivar am Jacobson-Gymnasium. 

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten durch Joachim Frassl haben zu neuen Erkenntnissen der jüdischen und städtebaulichen Geschichte von Seesen geführt. Die Ergebnisse führten auch zu der Möglichkeit einer modellhaften Rekonstruktion des ehemaligen Jacobsontempels im Gebäudekomplex "Jacobsonschule". Das Modell, erstellt durch Stübig Architektur und Design befindet sich heute im Städtischen Museum in Seesen.